Sichtweisen

Sharing Economy – Inspiration oder Fluch?

Die Sharing Economy hat als Thema viele der letzten Tagungen, auf denen ich war, bestimmt. Ob auf Workshops, wissenschaftlichen Tagungen oder in Gesprächen mit Reiseveranstaltern oder Hoteliers. Besonders Airbnb, die immer weiter expandieren und neben individuellen Unterkünften an besonderen Orten mit den „Entdeckungen“ ebenso besondere Erlebnisse vermitteln. Viel wird geschimpft auf das Geschäftsmodell und die als unfair empfundene Konkurrenz. Doch mittlerweile gibt es auch immer mehr Hoteliers und Reiseveranstalter, die zu ergründen versuchen, was Airbnb eigentlich so erfolgreich macht und wie man Teile des Konzeptes auch im eigenen Haus oder bei den eigenen Produkten umsetzen kann. Was reizt die Kunden an dem Konzept? Und was macht den von dem Kunden positiven Effekt einer Airbnb-Unterkunft im Gegensatz zu einer Ferienwohnung oder einem Hotel aus?

Zum einen ist es das Community-Gefühl, das die ganze Sharing-Economy auszeichnet, das Gefühl unter Gleichgesinnten zu sein und somit Teil einer Bewegung zu sein und sich dennoch ganz individuell zu fühlen. Zum anderen reizen die Unterkünfte, die über Airbnb buchbar sind mit dem individuellen Charakter. Wer hier bucht, macht Urlaub bei Einheimischen und kann so hinter die Kulissen gucken: Wie wohnt es sich in Paris? Wie ist eine Familie in Schottland eingerichtet? Verbunden mit der Hoffnung,  von den Gastgebern ganz individuelle Tipps zu bekommen, besteht ein großer Reiz darin, eine Unterkunft zu beziehen, die „belebt“ ist und  nicht austauschbar wie viele touristische Angebote.

Inspiration Airbnb

Nun gibt es erste Ideen von Hoteliers, Vermietern und Reiseveranstaltern, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, diese Aspekte zu adaptieren. Ob mit Kleinigkeiten, wie der Hotelier, der sich bei der Auswahl der Zeitschriften mehr an den einzelnen Zielgruppen orientieren und mit einer besonderen und persönlichen Auswahl auf sie eingeht oder als Konzept für die Gestaltung von Ferienwohnungen wie bspw. die schon 2015 mit dem Deutschen Tourismuspreis prämierten Kuckucksnester, bei denen viel Wert auf eine besondere Einrichtung und Gestaltung mit regionalem Bezug gelegt wird. Oder die Erfindung der Casa Cook  – ein Angebot zwischen Design Hotel und 25 hours – stärker spezifizierte Zielgruppen werden direkt angesprochen – der Gast/Kunde kauft keine Übernachtung sondern eine Geschichte. Wie auch im the dada hideaway oder der Milchbar in Zürich.

Die Gastfreundschaft steht im Mittelpunkt, die Lobby hat einen Wohnzimmercharakter, ist großzügig und lädt zu Begegnungen mit anderen Gästen ein. Bestenfalls gibt es auch gute Möglichkeiten zum Arbeiten im Hotel, wie beispielsweise die Workspaces im Schani in Wien (entstanden in Kooperation mit dem Forschungsprojekt Future Hotel), em Unperfekthotel in Essen oder den SI Suites. Auch oder gerade bei Geschäftsreisen entsteht eine Sehnsucht nach Zuhause, ein Bedürfnis nach Cosy-Räumen.

Räume erzählen eine Geschichte, das bedeutet auch, dass sie nicht überfrachtet sind und genügend Raum lassen. Die neue Bescheidenheit, die viel zitiert wird, äußert sich auch bei der Gestaltung und Einrichtung der Räume, Zurückhaltung ist angesagt, ungestaltet wirkende Räume im Trend.

Wohnen wie bei Freunden

– das kann auch bedeuten, dass es zielgruppenspezifische und gastspezifische Angebote gibt: Von den ausgewählten Zeitschriften im Zimmer über besondere Spielesammlungen für Familien bis zu weiteren Serviceangeboten. Local Guides, die Wanderungen anbieten (wie bei den von Airbnb beworbenen Entdeckungen), Lebensmittel-Lieferungen von regionalen Produzenten oder ein Kinderprogramm, das die umliegende Natur mit einbezieht. Und damit die Gäste sich immer wieder neu entscheiden können, gibt es die neuesten Tipps und Aktivitäten über die Hotel- oder Regions-App auf das Smartphone oder Tablet, so dass die Angebote tagesaktuell nach Wetter, Interessensgruppen und regionalen Besonderheiten zusammengestellt werden können – eben fast so wie der private Airbnb Gastgeber im besten Fall seine ganz persönlichen Empfehlungen abgibt.

Ein großes Potential für Hoteliers, sich hier Anregungen für die Weiterentwicklung des eigenen Betriebes zu holen. Ebenso eine Chance für Reiseveranstalter oder Internet-Plattformen mit einem speziellen, sehr individuellen Angebot mit gutem und persönlichem Service sich die Nachfrage nach anderem, individuellen Urlaub zunutze zu machen und die unterschiedlichen Bedürfnisse mit einer guten Auswahl an Häusern/Hotels/Wohnungen und einem überragenden Service zu erfüllen.